Aschestreuwiesen
Die Beisetzung von Totenasche ohne eine Urne wird in einigen Bundesländern durch gelockerte Bestattungs- gesetze ermöglicht. Das wachsende Interesse an dieser Bestattungsform ist sowohl ein Schritt hin zu individuellen Bestattungswünschen, als auch zur Anonymisierung der Trauerkultur.
Die Vorstellung, dass die Asche eines Verstorbenen an die Natur zurückgegeben oder an einem Lieblingsplatz ausgestreut wird, ist für manche Hinterbliebene ein tröstender Gedanke. Für andere ist das Verstreuen der Asche ein Zeichen von Freiheit und Ungebundenheit.
In Deutschland ist das Verstreuen von Asche jedoch lange Zeit verboten gewesen. Begründet wurde das zum einen mit der Absicht, die Ausbreitung von Krankheitserregern unterbinden zu wollen. Doch vor allem aus kultureller Sicht stellt die Bestattung auf einer Aschestreuwiese einen Umbruch in der Bestattungskultur dar. Der christliche Jenseits- und Auferstehungsglaube spielt dabei eine geringere Rolle. Dafür steht der Gedanke der Rückkehr in den ewigen Kreislauf der Natur im Vordergrund.
Das wachsende Interesse an Aschestreuwiesen ist sowohl ein Schritt hin zu individuellen Bestattungswünschen, als auch zu einer Anonymisierung von Verstorbenen, sofern die Beisetzung
namenlos erfolgt. Seit den 80er Jahren hat ein Umdenken eingesetzt. Bereits 1985 wurde auf dem Rostocker Westfriedhof eine Aschestreuwiese eingerichtet, die bis heute genutzt wird. Dabei handelt es sich um eine Wiesenfläche, die Besucher nicht betreten dürfen und auf der ein Mitarbeiter des Friedhofs die Asche oberirdisch verteilt.
Auch an anderen Orten in Deutschland, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, sind Aschestreuwiesen entstanden. Manchmal werden sie auch Aschestreufelder genannt. Dort erfolgt die Aschenbeisetzung ebenfalls ohne Urne, allerdings zumeist unter der Erde.
Seit 2003 existiert auch in Nordrhein-Westfalen ein für deutsche Verhältnisse recht liberales Bestattungsgesetz. Es erlaubt etwa, dass Totenasche auf festgelegten Flächen auf dem Friedhof durch Verstreuung beigesetzt werden darf. Das gilt allerdings nur für den Fall, dass dies vom Verstorbenen gewünscht wurde. Zusätzlich ermöglicht es die Aschebeisetzung außerhalb des Friedhofes, wenn eine behördliche Genehmigung vorliegt und die Beisetzung bodennutzungsrechtlich zulässig ist. Zudem muss der Beisetzungsort öffentlich zugänglich sein und darf nicht in einer Weise genutzt werden, die der Totenwürde widerspricht.
Ob die Bestattung auf einem Streufeld anonym erfolgt oder ob der Name des Verstorbenen an einer Tafel angebracht werden kann, hängt vom jeweiligen Friedhofsträger ab. Manchmal sind zentrale Gedenkstellen eingerichtet, an denen Blumen abgelegt werden können.
Die Entscheidung zugunsten einer Bestattung auf einem Streufeld kann auch aus Pragmatismus fallen: Diese Art der Beisetzung ist zumeist günstiger als eine traditionelle Erd- oder Urnenbestattung. Häufige Arbeitsplatzwechsel kann es Angehörigen zudem erschweren, ein Grab regelmäßig zu pflegen. Bei einer Bestattung auf einer Aschestreuwiese übernimmt entweder die Natur oder der Friedhofsträger die Grabpflege, so dass hohe Pflegekosten entfallen.
Bilder: Arzu Tuncel