Den richtigen Bestatter finden
“Eine Frage, die mir als Fachmann immer wieder gestellt wird, lautet: Woran erkenne ich eigentlich einen guten Bestatter? Die einzige Antwort, die ich darauf geben kann: Im Zweifelsfall erst, wenn es zu spät ist!” Unser Experte Tom ist Bestatter. Hier gibt er konkrete Hinweise für eine erfolgreiche Suche.
Eine Bestattung ist in vielen Teilen eine nicht wiederholbare, große Feierlichkeit, die in Hinblick auf Teilnehmerzahl, Bedeutung und Kosten oft nur noch von einer Hochzeit übertroffen wird. Während man aber eine total verpatzte Hochzeit in Teilen noch einmal wiederholen könnte, ist das bei einer Bestattung unmöglich. Wenn am Beerdigungstag das falsche Sargmodell in das Grab gelassen wird, die Blumen fehlen oder der Schleifentext verdruckt ist, gibt es keine Chance auf wirkungsvolle Wiedergutmachung. Die Unmittelbarkeit und Unumkehrbarkeit des Anlasses setzt hier etwaigen nachträglichen Verbesserungen eine natürliche Grenze.
Deshalb ist es gerade für die Auswahl des Bestatters wichtig, frühzeitig viele Fragen zu stellen. Einen guten Bestatter erkennt man nicht an seinem höflichen Auftreten, nicht an der Aufmachung seines Bestattungshauses und auch nicht daran, ob es ein Familienbetrieb oder die Filiale eines größeren Konzerns ist. Ja, nicht einmal irgendwelche Gütesiegel oder Verbandsabzeichen schützen wirklich davor, ausgerechnet an eines der schwarzen Schafe der Branche zu geraten.
Schwarze Schafe gibt es zwar in der Bestatterbranche vermutlich wesentlich weniger, als man gemeinhin annimmt. Aber wegen der Bedeutung, die eine Bestattung für die Betroffenen hat, gewinnt ein Versagen des Bestatters rasch an Dramatik.
Ich kann auch kein Patentrezept geben und sagen, an welchen eindeutigen Merkmalen ein guter Bestatter zu erkennen ist. Zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle, so dass es keine allgemeingültige Lösung geben kann. Ich persönlich würde jedoch folgendermaßen vorgehen:
Ich würde mich im Familien- oder Bekanntenkreis erkundigen, wie zufrieden die Betroffenen mit ihrem jeweiligen Beerdigungsinstitut waren. So bekomme ich schon ein recht gutes Bild über gute und weniger gute Bestatter.
Bei aller Trauer und verständlicher Kopflosigkeit sollte man ruhig mehrere Bestattungsinstitute aufsuchen und sich Angebote machen lassen. Auch im Trauerfall ist ein Preisvergleich keineswegs pietätlos, sondern etwas vollkommen Normales. Es geht schließlich um eine Ausgabe, die vermutlich deutlich vierstellig ausfallen wird, und da würde man doch auch bei jeder anderen Anschaffung die Preise vergleichen. Ich muss dem Bestatter schon ziemlich genau sagen können, was ich eigentlich möchte. Habe ich keine Ahnung, was alles angeboten und geleistet wird, dann spricht das erst recht dafür, dass ich mich einmal bei Bestatter A beraten lasse, um dann bei Bestatter B und C entsprechend vorbereitet meine Vorstellungen äußern zu können.
Geht der Bestatter auf meine Wünsche ein? Schlägt er auch mal eine günstigere Alternative vor? Oder will er mich gar zu besonders teuren Ausstattungs- varianten überreden? Für mich wäre es auch extrem wichtig, wie geborgen ich mich bei einem Bestatter fühle. Geheu- chelte Trauer und Anteilnahme brauche ich in einem solchen Moment nicht, traurig bin ich dann ohnehin schon. Ich bräuchte jemanden, der mir hilft, mich sachlich informiert, der mir die Last abnimmt, der mich auffängt und der mir eine Stütze ist.
Ich würde immer darauf bestehen, den Verstorbenen noch einmal zu sehen. Ob ich von dieser Möglichkeit dann auch wirklich Gebrauch mache, steht auf einem anderen Blatt, aber immerhin hätte ich so die Gelegenheit, zu überprüfen, wie ordentlich der Verstorbene eingebettet wurde. Auch würde ich fragen, ob ich bei der Sarglegung dabei sein darf. Ich muss das anschließend ja nicht wirklich machen, aber an der Reaktion kann man vielleicht erkennen, ob der Bestatter dafür grundsätzlich offen ist oder ob er lieber im Verborgenen arbeitet, wobei ich mich dann fragen würde, warum das so ist.
Ganz subjektiv würde ich zunächst einmal unter den alteingesessenen Familienbetrieben Ausschau halten. Ich persönlich hätte da das Gefühl, dass ich es mit Leuten zu tun habe, die einen über Generationen aufgebauten Ruf zu verlieren haben. Aber es kann sich auch der Besuch bei einem neuen, jüngeren Bestatter oder einer Bestatterin lohnen: Oftmals stehen diese ihren Kunden besonders aufgeschlossen gegenüber und gehen sehr bereitwillig auf Sonderwünsche ein.
Die Arbeit des Bestatters soll transparent sein. Hinterfragen Sie genau, was er alles leistet. Lassen Sie sich die einzelnen Positionen auf der Kostenaufstellung exakt erklären, dann gibt es hinterher keine Missverständnisse. Gehen Sie niemals ohne einen Durchschlag des Auftrags oder Angebotes nach Hause. Notieren Sie sich während der Tage bis zur Rechnungslegung, was der Bestatter Ihnen noch telefonisch mitteilt. Berücksichtigen Sie, dass zu den Bestatterkosten noch Nebenkosten für Kränze, Musik, Anzeigen, Totenbriefe und vieles andere hinzukommen. Auch die Kommune oder Kirchengemeinde wird eine Rechnung für Grab, Friedhof und Trauerhalle schreiben.
Bedenken Sie, dass auch Bestatter nur Menschen sind und auch ihnen vielleicht kleine Fehler unterlaufen können. Wägen Sie im Falle eines Falles ab, ob Sie in ohnehin schweren Zeiten “aus einer Mücke einen Elefanten” machen wollen.
Generell gilt: Fragen Sie viel, fragen Sie oft, lassen Sie sich alles erklären und machen Sie sich Notizen. Dann gibt es am wenigsten Probleme.

Weitere Informationen zum Thema:

Checkliste: Den richtigen Bestatter finden
Hier bekommen Sie Anhaltspunkte für die Auswahl eines
Bestatters [PDF, 55 KB]
Bilder: Arzu Tuncel