Bestattungs- und Trauerrituale im Christentum
Eines der christlichen Sieben Werke der Barmherzigkeit ist die Bestattung von Verstorbenen, denen man dadurch die eigene Liebe und Achtung erweist. Nach dem Tod wird der Verstorbene gewaschen. Das übernahmen früher die Angehörigen, die Nachbarn oder die Totenfrauen, heute verrichten Bestattungsunternehmen diese Aufgabe.
Beigesetzt wird der Verstorbene im Rahmen eines Gottesdienstes. Dieser kann je nach Richtung des Christentums unterschiedlich gestaltet sein. Protestanten feiern eher schlicht, griechisch-orthodoxe Christen feiern sehr lange Zeremonien.
In Deutschland findet der Gottesdienst meist in einer Kirche, einer Kapelle oder direkt am Grab statt. Angehörige, Freunde und andere Gemeindeglieder nehmen teil, um den Toten aus ihrer Mitte zu verabschieden und ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Gottesdienst beginnt mit einer Begrüßung der Trauergemeinde und einer Anrufung Gottes.
Da Christen daran glauben, dass der Verstorbene nach dem Tod in das Himmelreich Gottes auffährt, nimmt die Verkündigung der Auferstehung in der Bestattungsfeier einen großen Platz ein. Gebete, gemeinsam gesungene Lieder und eine vom Pfarrer gehaltene Ansprache, die Predigt, sind feste Bestandteile eines Bestattungsgottesdienstes. In der Predigt wird das Leben des Verstorbenen angesprochen und vor einem religiösen Hintergrund in einem größeren Zusammenhang verortet.
Ein Höhepunkt des Gottesdienstes ist die Feier der Eucharistie, des Abendmahls. Sie findet gegen Ende der Totenmesse statt. Damit wird die Gemeinschaft aller Christen, der lebenden wie der toten, gefeiert.
Es folgt der Abschied vom Verstorbenen, das gemeinschaftliche Gedenken an ihn sowie seine Bestattung. Beim Gang zum Grab wird das Kreuz als Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung vorangetragen, dann folgt der Sarg mit dem Verstorbenen. Dahinter gehen der Pfarrer und die Angehörigen mit der Trauergemeinde. Am Grab wird der Sarg nach der Ankunft in die Erde gesenkt. Der Pfarrer spricht dabei ein Bibelwort. Dreimal wirft
er Erde auf den eingesenkten Sarg, nennt den Namen des Verstorbenen und gibt ihn mit segnenden Worten in die Hand Gottes: “Erde zu Erde, Asche zu Asche und Staub zu Staub.” Der dreimalige Erdwurf verweist dabei auf die Dreieinigkeit (die Einheit der drei Personen des göttlichen Wesens: Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist) und auf die Auferstehung, die auch Thema der folgenden Bibellesung ist. Am Schluss der Bestattung betet die Gemeinde das Vaterunser, der Pfarrer gibt zum Abschied der Trauerge- meinde seinen Segen.
In der Regel erhält das Grab ein Grabmal, auf dem der Name des Verstorbenen steht. Es versinnbildlicht die Beziehung des Verstorbenen zu Gott, erinnert an das Wesen des Verstorbenen und verdeutlicht seine Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft.
Traditionell findet nach der Bestattung ein Trauermahl statt. Dieser Brauch ist allerdings nicht rein christlich, denn schon in der Antike waren gemeinsame Mahlzeiten nach dem Tod einer Person üblich. Das Trauermahl stärkt den Zusammenhalt innerhalb der Hinterbliebenen und bietet ihnen außerdem die Möglichkeit, ein Stück Normalität durch Gespräche zurück zu gewinnen. Auch der Persönlichkeit des Verstorbenen wird noch einmal gedacht.
In vielen Regionen ist es heute noch üblich, dass die engsten Angehörigen nach dem Tod eines Menschen “Trauer tragen”, das heißt, sie kleiden sich schwarz. Sechs Wochen nach der Bestattung wird in der katholischen Kirche ein Andachtsgottesdienst - das so genannte “Sechswochenamt” - gefeiert, der im Zeichen des Verstorbenen steht.

Bilder: Arzu Tuncel