Bestattungs- und Trauerrituale im Islam
Muslime werden traditionell ohne Sarg beigesetzt. Aufgrund des Konflikts mit hiesigen Friedhofsordnungen wird dieses Ritual in Deutschland selten praktiziert. Erst in den letzten Jahren wird der Umgang liberaler. In Berlin gibt es einen eigenen muslimischen Friedhof.
Die Bestattung im Islam beginnt mit der rituellen Waschung des Toten. Diese Abdest muss durch eine Person gleichen Geschlechts erfolgen, die auch fähig ist, den Koran zu lesen und zu deuten. Dann werden Körper und Gesicht des Verstorbenen mit weißen Leinentüchern bedeckt. Da Muslime glauben, dass Tote statt materieller Güter nur gute Gebete benötigen, sind diese Leinentücher aus relativ einfachem Material.
Der eingewickelte Leichnam wird für die Trauerfeier in einen Sarg gelegt. Dieser steht auf einem speziellen Stein in der Moschee, dem Musalla Tasi. Die Trauerfeier besteht aus dem Totengebet, dem Cenaze Namaz, das nach einem der fünf täglichen Gebete, den Ezan, gesprochen wird. Während der Iman, der muslimische Glaubenslehrer, mit den Trauernden das Cenaze-Namaz-Gebet spricht, stehen die Trauernden am Kopfende des Sarges, um dem Verstorbenen ein letztes Mal ihren Respekt entgegen zu bringen.
Der Imam fragt anschließend die Gemeinde, wie der Verstorbene gewesen sei, worauf geantwortet wird, dass er oder sie eine gute Person gewesen sei. Anschließend folgt das Fatiha-Gebet aus dem Koran, in dem für die Seele des Verstorbenen gebetet wird. Danach wird der Sarg von Familienmitgliedern und Bekannten des Verstorbenen aus der Moschee getragen. Ein Leichenwagen transportiert den Sarg zur Grabstätte. Hier wird der eingewickelte Leichnam aus dem Sarg genommen und nur mit den Leinentüchern auf der rechten Seite liegend, mit dem Gesicht in Richtung Mekka
gerichtet, in die Grabnische gebettet. Meist wird ein Messer mit in das Grab gelegt. Im Islam symbolisiert ein Messer gleichzeitig Leben und Tod. Während der Geburt wird mit ihm die Nabelschnur durchtrennt. Außerdem hilft das Messer, sich gegen den Teufel zu verteidigen.
Nachdem der Leichnam mit ein paar Matten und Brettern bedeckt worden ist, werfen alle Anwesenden eine Schaufel Erde in das Grab. Anschließend betet jeder für sich ein weiteres Fatiha-Gebet und der Imam schließt die Trauerfeier mit einem Vergebungsgebet ab. Er bleibt allein am Grab stehen, um ein letztes Gebet für die Seele des Verstorbenen zu sprechen.
Nach der Beerdigung findet ein traditionelles Kondolenz-Essen im Hause der Familie statt. In der darauf folgenden Woche wird jeden Tag der Koran zu Hause gelesen, da Muslime glauben, dass die Seele des Verstorbenen zu Besuch kommt. Nach den sieben Tagen wird eine Süßspeise, Halva, vorbereitet und an alle Trauernden verteilt. 40 Tage nach der Beerdigung lädt die Familie des Verstorbenen die Trauergemeinde zu einem Lokma-Kuchen ein. Am 52. Tag wird das Olum Mevlutu, eine Andacht, gefeiert, zu der auch ein essen gereicht werden kann. Diese Andacht kann jedes Jahr zum Todestag von der Familie veranstaltet werden, um des Verstorbenen zu gedenken.
In Deutschland sind muslimische Begräbnisse aufgrund des Konflikts muslimischer Vorschriften mit den Friedhofsordnungen noch immer selten. Eine Bestattung ohne Sarg war bis vor kurzem verboten. In vielen Fällen wird deshalb der Körper des Toten in ein muslimisch geprägtes Land überführt. Erst in den letzten Jahren haben sich die Friedhöfe für muslimische Bestattungen geöffnet. In Berlin gibt es bereits einen eigenen muslimischen Friedhof.
Bilder: Arzu Tuncel