Rentenansprüche
Nach dem Tod eines Familienmitglieds haben Hinterbliebene oft Anspruch auf Renten. Hinterbliebene Ehepartner können Witwen- oder Witwerrente, hinter- bliebene Kinder Waisen- oder Halbwaisenrente bean- tragen.
Eine ernst zu nehmenden Belastung, die ein Todesfall für die Angehörigen erzeugt, ist häufig die finanzielle. Am stärksten schlägt in der Regel die Bestattung zu Buche - hinzu kommen Gebühren vielerlei Art und schlimmstenfalls Schulden, die der Verstorbene hinterlässt. Damit die Hinterbliebenen nicht mittellos dastehen, schließen viele Menschen Lebens- und Unfallversicherungen ab. Ob eine solche vorhanden ist, sollte nach dem Tod eines Angehörigen geprüft werden.
Ist dies nicht der Fall, haben hinterbliebene Ehepartner unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente. Hinterbliebene Kinder können Waisen- oder Halbwaisenrente beantragen. Sie wird grundsätzlich bis zur Volljährigkeit ausgezahlt und kann bis zum 27. Lebensjahr verlängert werden, wenn sich das Kind in der Schul- oder Berufsausbildung befindet. Es ist immer zu empfehlen, direkt bei der Deutschen Rentenversicherung zu erfragen, welche Ansprüche im Einzelfall bestehen.
Die Höhe der Witwen- und Witwer-, Waisen- und Halbwaisenrenten bemisst sich an der Höhe des Rentenanspruchs, den der Verstorbene im Lauf seines Berufslebens bis zum Todeszeitpunkt erworben hatte. Bei Menschen mit durchschnittlichem Einkommen sind diese Renten nicht üppig, können aber durchaus zur Existenzsicherung beitragen.
Voraussetzung des Anspruchs auf Hinterbliebenenrente ist immer, dass der Verstorbene die sogenannte “Wartezeit” von fünf Jahren erfüllt hat. Das heißt, er muss seit mindestens fünf Jahren Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung sein. Es gibt jedoch Ausnahmen - zum Beispiel werden Kindererziehungszeiten auf die Wartezeit angerechnet. Daher empfiehlt es sich, jeden Einzelfall beim Rentenversicherungsträger prüfen zu lassen, statt davon auszugehen, dass kein Anspruch besteht.
Die sogenannte “kleine” Witwen- oder Witwerrente beträgt 25 Prozent der Altersrente des Verstorbenen und wird für zwei Jahre gezahlt. Bis zur Änderung des Rentengesetzes zum 1. Januar 2002 war noch eine lebenslange Zahlung vorgesehen. Wer schon vor diesem Datum verwitwet war, kann die kleine Witwen- oder Witwerrente weiterhin bis zum Lebensende beziehen. Dasselbe gilt
für Hinterbliebene, deren verstorbener Ehepartner vor dem
1. Januar 2002 bereits über 40 Jahre alt war.
Die "große" Witwen- oder Witwerrente bekommen Hinterbliebene, die älter als 45 Jahre sind. Für Todesfälle nach dem 31. Dezember 2011 wird das vorgeschriebene Lebensalter schrittweise auf 47 Jahre angehoben. Wer diese Altersgrenze noch nicht erreicht hat, kann unter Umständen trotzdem einen Anspruch auf “große” Witwen- oder Witwerrente geltend machen. Die Voraussetzungen dafür: Die Person muss erwerbsgemindert sein, ein minderjähriges Kind erziehen oder für ein behindertes Kind sorgen. Diese Rente beträgt 55 Prozent der Altersrente des Verstorbenen. Vor dem 1. Januar 2002 waren es noch 60 Prozent. Die große wie die kleine Witwen- oder Witwerrente entfällt, wenn die betreffende Person wieder heiratet.
Eine Halbwaisenrente gibt es für hinterbliebene Kinder, wenn noch ein unterhaltspflichtiger Elternteil vorhanden ist. Sie beträgt zehn Prozent der Altersrente des Verstorbenen und wird bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs oder in der Ausbildung des 27. Lebensjahrs gezahlt. Ein Anspruch auf Vollwaisenrente entsteht entsprechend, wenn beide Elternteile verstorben sind. Ihre Höhe beträgt 20 Prozent der summierten Altersrentenansprüche beider Elternteile.
Entscheidend ist hier jedoch, wer die Kinder hauptsächlich versorgte und nicht wer die leiblichen Eltern waren. Wird ein Kind etwa im Haushalt seiner erwachsenen Schwester erzogen und versorgt, bekommt es im Fall ihres Todes (Halb-)Waisenrente. Jedoch nur unter der Vorraussetzung, dass die verstorbene Person - in diesem Fall die Schwester - die “Wartezeit” von fünf Jahren erfüllt hat.
Haben Hinterbliebene ein eigenes Einkommen, wird dieses anteilig auf die Rente angerechnet, wenn es einen bestimmten Freibetrag überschreitet. Dieser beträgt derzeit monatlich 845,59 Euro im Westen und 810,22 Euro im Osten. Das Einkommen, das über dem Freibetrag liegt, wird zu 40 Prozent angerechnet. Hiervon werden 40 Prozent, von der Rente abgezogen. Für Witwen und Witwer, die Kinder erziehen, gelten je nach Anzahl der Kinder höhere Freibeträge.
Um übermäßige finanzielle Härten abzumildern, die durch den Todesfall entstehen, gibt es das sogenannte Sterbevierteljahr. Sowohl die große als auch die kleine Witwen- und Witwerrente wird in den ersten drei Monaten nach dem Tod in voller Höhe der Altersrente gezahlt, die der Verstorbene in diesem Zeitraum erhalten hätte - unabhängig vom eigenen Einkommen der Hinterbliebenen. Außerdem ist es möglich, eine Auszahlung der drei Monatsrenten des Sterbevierteljahrs als Vorschuss zu beantragen.

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Bietet Informationen über die Deutsche Rentenversicherung, Renten, Rehabilitation und Rechtsvorschriften. Zusätzlich werden Info-Broschüren angeboten.

Bilder: Arzu Tuncel