Die Patientenverfügung
Für den Fall, dass Patienten nicht mehr in der Lage sind, sich zu äußern, können Patientenverfügungen vorbeugen: Sie dokumentieren, welche medizinische Behandlung erwünscht oder abgelehnt wird. Je detaillierter die Verfügung formuliert ist, desto besser können Ärzte und Pflegepersonal sich daran orientieren.
Krankheit, Unfallverletzungen, geistige oder körperliche Alterserscheinungen können Menschen daran hindern, ihren Willen zu äußern. Für solch einen Fall lässt sich in einer Patientenverfügung festlegen, welche medizinische Behandlung erwünscht und welche abgelehnt wird. So kann beispielsweise die Anwendung lebenserhaltender Maßnahmen in bestimmten Fällen untersagt oder eingeschränkt werden. Auch die Erlaubnis oder Ablehnung von Organspenden ist häufig Bestandteil der Verfügung.
Seit dem 1. September 2009 gibt es eine neue rechtliche Grundlage für Patientenverfügungen. Danach kann jeder über 18-Jährige eine Patientenverfügung verfassen, die in allen Lebensphasen gültig ist. Angehörige (bzw. Betreuer oder Bevollmächtigte) sind an diese gebunden. Entscheidungen über ärztliche Maßnahmen werden im Dialog zwischen Arzt und Angehörigen (oder Betreuer bzw. Bevollmächtigten) gefällt. Sind sich diese über den Patientenwillen uneinig, muss bei folgenschweren Entscheidungen ein Gericht entscheiden. Verstoßen die Beteiligten gar gegen Willenserklärungen, die der Patient für vergleichbare Lebens- und Behandungssituationen abgegeben hat, kann dies als Körperverletzung gewertet und bestraft werden. Allerdings verläuft jede schwere Krankheit anders, so dass Angehörige, Betreuer oder Bevollmächtigte und Ärzte der Patientenverfügung nicht immer eindeutig entnehmen können, wie der Patient in seiner aktuellen Lage entscheiden würde.
Verfügt ein Patient etwa, dass er nicht langfristig in Abhängigkeit von medizinischen Geräten am Leben gehalten werden möchte, schafft das nicht viel Klarheit. Auch ein Herzschrittmacher ist ein medizinisches Gerät, das aber die Lebensqualität nur geringfügig beeinträchtigt und daher vom Patienten wohl kaum gemeint war. Was aber war gemeint? Wo genau wollte der Patient die Grenze dessen ziehen, was für ihn erträglich ist?
Damit die Patientenverfügung im Ernstfall wirklich den Angehörigen und Ärzten Orientierung bietet und den Willen des Patienten zur Geltung bringt, sollte sie möglichst genau formuliert sein. Das heißt, für möglichst viele Eventualitäten ausdrücklich festzuhalten, was getan werden soll und was nicht. Wenn sterbende Patienten beispielsweise unter starken Schmerzen leiden, stehen Ärzte vor
einem Problem: Starke Schmerzmittel könnten das Leiden lindern, aber auch die verbleibende Lebenszeit verkürzen.
In der Patientenverfügung kann ausdrücklich festgelegt werden, dass man die Behandlung mit Schmerzmitteln in diesem Fall wünscht. Eine ausführliche Patientenverfügung gibt den eigenen Willen zu einer ganzen Reihe solcher Behandlungsfragen wieder, die sich eines Tages stellen könnten.
Darüber hinaus ist es für Angehörige und Ärzte hilfreich, wenn auch die allgemeine Einstellung des Patienten zu den Bedingungen eines lebenswerten Lebens, zu Krankheit, Alter und Tod durch das Dokument zum Ausdruck kommt. So sind manche Menschen bereit, körperliche Gebrechen und auch Schmerzen zu ertragen, solange sie bei klarem Verstand sind, finden aber ein Leben unter den Bedingungen geistigen Verfalls nicht mehr lebenswert. Für andere ist die körperliche Mobilität besonders wichtig; ihnen erscheint dauerhafte Bettlägerigkeit als Strafe. Ein Arzt benötigt möglichst genaue Angaben eines Patienten, um dessen mutmaßlichen Willen realistisch einschätzen zu können.
Eine Patientenverfügung muss schriftlich erklärt werden, ist aber an keine bestimmte Form gebunden und kann vom Patienten selbst verfasst werden. Allerdings ist man als medizinischer und juristischer Laie kaum in der Lage, an alle Eventualitäten zu denken und seinen Willen dann auch so zu formulieren, dass im Ernstfall klar und eindeutig ist, wie entschieden werden soll.
Muster-Patientenverfügungen zum Ausfüllen helfen dabei weiter. Sie sind bei zahlreichen Organisationen erhältlich. Wer sich auf diese Weise intensiv mit den entsprechenden Fragen auseinander setzt, dokumentiert zugleich die Ernsthaftigkeit, mit der die Patientenverfügung erstellt wurde. Dies wiederum verleiht ihr im Ernstfall mehr Gewicht.
Um Gültigkeit zu erlangen, muss die Patientenverfügung schließlich mit Orts- und Datumsangabe unterschrieben werden. Da Menschen insbesondere bei Themen wie Alter, Krankheit und Tod oft ihre Ansichten ändern, empfiehlt es sich, in Abständen von etwa zwei Jahren immer wieder mit Datum und Unterschrift zu dokumentieren, dass die Patientenverfügung weiterhin den Willen des Unterzeichners widerspiegelt. Vorausgesetzt, dass der Betreffende bei klarem Verstand ist und nicht unter Druck steht, ist immer die aktuellste Willensäußerung die gültige. Daher kann eine Patientenverfügung jederzeit widerrufen werden - auch mündlich. Und noch etwas: Damit eine Patientenverfügung im Bedarfsfall rasch gefunden wird, sollte der Verfasser einen entsprechenden Hinweis stets bei sich tragen.

Weitere Informationen zum Thema:


Bei janolaw können Sie zu geringen Kosten eine individuelle und rechtssichere Patientenverfügung online erstellen - vom Anwalt geprüft.


Kostenpflichtiger Vorsorgeassistent zur Betreuungsverfügung, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht mit rechtlichen Hinweisen.


Portal des Humanistischen Verbandes Deutschland e.V.


Stellt eine zentrale Datenbank zu Verfügung, wo der Aufbewah-
rungsort der Patientenverfügung vermerkt ist. Ärzte haben so einen schnelleren Zugriff auf die Verfügung.

Bilder: Arzu Tuncel