Die Vorsorgevollmacht
Krankheiten oder Unfälle können Menschen daran hindern, Entscheidungen zu treffen. Wer für solche Situationen im Vorhinein Klarheit schaffen und sicherstellen will, dass in seinem Sinne entschieden wird, kann eine Vorsorge- vollmacht ausstellen.
Darin werden eine oder mehrere Personen bevollmächtigt, den Betroffenen in vermögensrechtlichen und persönlichen Angelegenheiten zu vertreten und für ihn oder sie Entscheidungen zu treffen. Pflegebedürftigkeit, persönliche Betreuung im Alltag, schwere Entscheidungen über medizinische Therapien - das sind Themen, über die sich viele erst in höherem Alter Gedanken machen, wenn überhaupt. Doch Krankheiten und vor allem Unfälle können auch jüngere Menschen treffen.
Wenn es geschieht, dass ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen, seine Interessen zu vertreten und seinen Alltag zu regeln, stehen die Angehörigen vor schwierigen Fragen: Wer soll welche Angelegenheiten des Betroffenen wahrnehmen? Inwieweit ist er dazu überhaupt berechtigt? Und vor allem: Wie würde der Betroffene selbst entscheiden?
Wer für solche Situationen im Vorhinein Klarheit schaffen und sicherstellen will, dass bei schwerer Krankheit, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit in seinem Sinne entschieden wird, kann zu diesem Zweck eine Vorsorgevollmacht ausstellen. Darin werden eine oder mehrere Personen bevollmächtigt, den Erkrankten in vermögensrechtlichen und persönlichen Angelegenheiten zu vertreten und für ihn oder sie Entscheidungen zu treffen. Dies reicht von ganz simplen Erledigungen, etwa Behördengängen und Bankgeschäften, bis hin zu weitreichenden Entscheidungen über medizinische Operationen oder die Einweisung in ein Pflegeheim.
Wenn jemand darauf angewiesen ist, dass ein anderer für ihn diese Aufgaben übernimmt und Entscheidungen trifft, wird hierfür notfalls gerichtlich ein Betreuer bestimmt. Dies ist derzeit in Deutschland bei bis zu einer Million Menschen der Fall. So ist die Angst, das eigene Schicksal könnte in die Hände eines völlig Fremden gelegt werden, oft ein wesentlicher Antrieb, eine Vorsor-
gevollmacht auszustellen - denn damit wird eine gerichtlich angeordnete Betreuung vermieden.
In einer Vorsorgevollmacht wird genau festgelegt, welche Rechte dem Bevollmächtigten übertragen werden sollen und welche nicht. Eine Vorsorgevollmacht sollte nicht mit Bedingungen verknüpft werden. Heikle Entscheidungen müssen ausdrücklich erwähnt werden, damit der Bevollmächtigte die entsprechenden Rechte erhält. Eine Generalvollmacht reicht dazu nicht aus. Dazu zählen unter anderem: die medizinische Behandlung oder die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen, wie Bettgitter, Gurte oder ähnliches, aber auch die Vertretung des Vollmachtgebers in Gerichtsverfahren.
Grundsätzlich ist es wichtig, nur Personen zu bevollmächtigen, denen man besonderes Vertrauen entgegenbringt. Diese müssen einverstanden sein, die Betreuungsaufgaben zu übernehmen. Wer möglichst sicher gehen will, sollte sich beim Aufsetzen der Vollmacht von einem Anwalt beraten lassen und das Dokument notariell beglaubigen lassen.
Von Laien erstellte Dokumente bergen das Risiko, wegen Formfehlern oder anderer Mängel juristisch keinen Bestand zu haben. Banken und Sparkassen erkennen Vorsorgevollmachten oft nicht an. Auch Gerichte schauen bei derart weitreichenden Vorgängen sehr genau hin. Ebenso kann es passieren, dass man aufgrund mangelnder Vertrautheit mit juristischen Formulierungen eine Vollmacht erstellt, die zwar gültig ist, aber den tatsächlichen eigenen Willen unzureichend widerspiegelt. Und schließlich ist für Vermögensangelegenheiten wie die Verfügung über Grundbesitz oder die Aufnahme eines Darlehens ohnehin eine notarielle Beglaubigung erforderlich. Die Bundesnotarkammer hat ein zentrales Vorsorgeregister eingerichtet, in welchem man per Internet oder Post die Errichtung der Vollmacht registrieren kann. Bevor ein deutsches Gericht eine Betreuung anordnet, wird dieses Register abgefragt und gegebenenfalls der Bevollmächtigte informiert. Die Registrierung ist kein Ersatz für die schriftliche Vollmacht selbst, stellt aber sicher, dass Ihre Vertrauensperson benachrichtigt wird, wenn es darauf ankommt.

Weitere Informationen zum Thema:


Bei janolaw können Sie zu geringen Kosten eine individuelle und rechtssichere Vorsorgevollmacht online erstellen - vom Anwalt geprüft.


Kostenpflichtiger Vorsorgeassistent zur Betreuungsverfügung, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht mit rechtlichen Hinweisen.

Bilder: Arzu Tuncel