Organspende
Organspende ist die Weitergabe von lebenswichtigen Organen an kranke Menschen. In einigen Fällen sind Spenden von Lebenden möglich. Doch meist werden Organe nach dem Hirntod eines Spenders Bedürftigen implantiert.
Im Transplantationsgesetz sind die rechtlichen Bedingungen für Organspenden geregelt. Voraussetzung für eine Transplantation ist der Hirntod. Dieser wird laut Bundesärztekammer als “Zustand des irreversiblen (unwiederbringlichen) Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms” definiert. Die Herz-Kreislauffunktion und die Beatmung erhalten die Ärzte künstlich, damit die Organe weiter durchblutet werden. Sonst würden diese absterben und könnten nicht mehr implantiert werden. Den Hirntod müssen zwei erfahrene Ärzte in gesonderten Untersuchungen unabhängig voneinander feststellen.
Gespendet werden dürfen Organe und Gewebe. Dafür entnehmen Ärzte einem Spender während einer Operation diese Körperteile und setzen sie einem anderen Menschen ein. Der medizinische Begriff dafür ist Transplantation, was im Lateinischen Verpflanzung bedeutet.
Auch lebende Menschen können spenden. Diese “Lebendspende” ist aus medizinischen Gründen aber oft nur für enge Familienangehörige möglich. Für eine Lebendspende kommen nur Organe in Frage, die der Spender ohne größere Beeinträchtigungen entbehren kann, etwa eine Niere oder Knochenmark. Kommerzieller Organhandel wird weltweit geächtet. Doch in Entwicklungsländern wird er von kriminellen Organisationen betrieben.
Kommt eine Hirntod-diagnostizierte Person für eine Organspende aus medizinischer Sicht in Frage, muss geklärt werden, ob solch ein Eingriff in ihrem Sinne wäre. Seit Mitte 2012 kommt hierbei in Deutschland die Entscheidungsregelung zum Einsatz. Nach dieser werden alle Bürger, die über 16 Jahre alt sind von den Krankenkassen regelmäßig schriftlich über das Thema Organspende informiert und befragt, ob sie mit einer Organspende generell einverstanden sind, sie generell ablehnen oder die Spendenbereitschaft auf einzelne Organe beschränken. Wie bisher sollten die Angaben dann in einem Organspendeausweis dokumentiert werden. Werden keine Angaben gemacht, entscheiden im Falle eines Hirntodes weiterhin die Angehörigen
über eine mögliche Spende. Organspendeausweise sind auch in vielen Arztpraxen, Apotheken und über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erhältlich. Die Vorlage eines Organspendeausweises kann im Anschluss heruntergeladen und ausgedruckt werden.
Mit Hilfe von Organspenden kann das Leben schwerkranker Menschen verlängert werden. Komplizierte Behandlungen wie die Dialyse können dank einer Organtransplantation entfallen. Doch der Bedarf an Organen ist höher als die Zahl der Spenden. Laut der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) warten 12.000 Menschen auf ein neues Organ. International liegt Deutschland bei der Zahl der Organspenden im unteren Mittelfeld.
Ob sich daran nach Einführung der Entscheidungsregel in Deutschland vorerst sehr viel ändert, ist fraglich. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten und Verstößen bei der Vergabe von Organspenden, ist das Vertrauen der Bürger in die Organspendenpraxis derzeit heftig erschüttert. Darüber hinaus gibt es auch ablehnende Haltungen zum Thema Organspende. Die meisten Gegner der Organspende kritisieren den Hirntod als sicheres Zeichen des eingetretenen Todes: Entgegen der üblichen Definition des Todes durch Atem- und Herzstillstand sind bei einem Hirntoten die meisten Organe noch funktionsfähig. Es ist nicht sicher, ob Hirntote Schmerzen empfinden können, deshalb bekommen sie vor der Organentnahme eine Narkose.

Weitere Informationen zum Thema:

0800 - 90 40 400
Infotelefon Organspende der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung


Stellt Informationen rund um das Thema Organspende bereit


Setzt sich für eine standardisierte Nachsorge von Lebendspendern ein und informiert über den Ablauf einer Lebendspende


Koordiniert bundesweit Organspenden und -transplantationen


Elterninitiative, die über die negativen Aspekte von Organspenden informiert

Bilder: Arzu Tuncel